Lernen kann über die Zeit sehr anstrengend sein, und man wird einfach nicht fertig damit. Es hört einfach nicht auf. Oder doch?
Man wird tatsächlich auch mal fertig – aber dann ist man tot … und je nachdem woran man glaubt hört es dann ja immer noch nicht auf. Egal – ich persönlich will lernen bis zum letzten Tag – und bin schon extrem neugierig darauf, was danach kommt!
Lernen und Lehren?
Bei mir hat Lernen auch ganz viel mit Lehren zu tun – mit der Ausbildung von jungen Leuten – und je älter ich selbst werde, je älter sind auch die Menschen, die sich von mir zu bestimmten Themen ausbilden lassen.
Ich muss also in meinem Job dauernd Menschen etwas neues vermitteln – und manchmal sind durchaus unangenehme Erkenntnisse dabei. Es ruft ja niemand einen Unternehmensberater an, weil er nicht mehr weiß wohin mit all dem Glück …
Kompetenzstufen
Ich habe mir deshalb viele Gedanken gemacht, warum Lernen für viele so ein schwerer Gang sein kann – und dabei hilft nach meiner Erfahrung am besten ein Modell der Kompetenzstufenentwicklung von Noel Burch (Wikipedia). Es spricht von vier Kompetenzstufen:
- unbewusste Inkompetenz
- bewusste Inkompetenz
- bewusste Kompetenz
- unbewusste Kompetenz.
An einem Beispiel erklärt:
Von Geburt an sind wir alle offenbar zu allem oder fast allem unbewusst inkompetent. Wir wissen nichts – aber wir wissen auch nicht, worüber es etwas zu wissen gäbe. Eigentlich kein Problem …und dann sehen wir das Licht über den Bett unserer Mutter im Kreißsaal und denken „Mist – ist das hell hier“ … ZACK … haben wir bereits die nächste Kompetenzstufe erklommen. Wir sind nun bewusst inkompetent.
Wir wissen nun, dass es auf dieser Welt verdammt hell sein kann – aber wir wissen noch nicht warum. Und dann bringt man uns nach und nach bei, dass es Lampen gibt. So werden wir nach und nach bewusst kompetent. Wir wissen jetzt sehr viel über Lampen. Und dann werden wir größer und lernen, dass man die ein und ausschalten kann – und gehen nach und nach immer routinierter mit Licht um. Und das bringt uns auf die edelste Stufe von Kompetenz – die unbewusste Kompetenz. Wir kommen in einen dunklen Raum und suchen den Lichtschalter ohne auch nur darüber nachzudenken …
Jetzt kommt es dick!
Wir sind aber trotzdem immer noch unbewusst völlig inkompetent. Das merken wir spätestens in der 9. Klasse im Physik-Unterricht, wenn der Lehrer zum ersten Mal das Wort „Lumen“ in den Mund nimmt (Wikipedia). Licht kann man nämlich ziemlich genau beschreiben und auch messen.
Und ZACK … Ihr wisst schon … bewusst inkompetent … also üben, lernen, lesen … Klassenarbeit … eine VIER reicht zumindest, um bewusst halbwegs kompetent zu sein 😉
Und Licht kann man übrigens auch brechen (Wikipedia) … ZACK … schon wieder … und auch das lernt sich – und irgendwann weiß man ganz intuitiv (unbewusst kompetent?), dass das einfach nie aufhören wird … Und das kann einen ganz schön nerven oder sogar entmutigen!
Ist das vielleicht sogar toll so?
Es ist bestimmt nicht für jeden gleich toll – aber man hat auch zwei Möglichkeiten, wie man damit positiv umgeht, und die möchte ich Euch näher bringen. Ihr könnt
- neugierig bleiben und Spass am Lernen haben,
- oder froh sein, dass man nicht immer alles weiß …
Zu Letzterem sagt die Bibel in Matthäus 5,3 „Seelig sind die geistig Armen„. Diese Aussage habe ich ein Leben lang ein bisschen veralbert … doof macht glücklich und so … aber ganz ehrlich – heute weiß ich diese Aussage durchaus zu schätzen.
Seit ich begriffen habe, dass ich lernen DARF – und aber nicht alles lernen MUSS – seitdem fällt es mir deutlich leichter, mit meinem Unwissen positiv umzugehen – und gleichzeitig sehr gern zu lernen.
gern lernen?
aber ja … !
