Ich habe vor einigen Tagen einen super interessanten, eher wissenschaftlichen Vortrag über die Weihnachtsgeschichte gehört. Was ich neu gelernt habe war vor allem, dass die „Weihnachtsgeschichte mit Krippe“ – also das was wir als Weihnachten feiern – sich speziell aus dem Lukas Evangelium ableitet. Bei Johannes liest sich das völlig anders:

  • Im Johannesevangelium gibt es keine klassische Weihnachtsgeschichte mit Geburtsszene, Hirten oder Krippe. Das Evangelium verzichtet bewusst auf erzählerische Details und setzt einen anderen theologischen Schwerpunkt.
  • Stattdessen beginnt es mit dem Prolog: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.

Diese sogenannte Christologie des Logos ist der Versuch des Johannes-Evangelium, die Bedeutung Jesu nicht primär historisch-biografisch, sondern kosmisch und schöpfungstheologisch zu deuten. Ausgangspunkt ist der Begriff λόγος (logos), der im antiken Denken Wort, Sinn, Vernunft, Weltordnung bezeichnete. Johannes greift diesen philosophisch geprägten Begriff auf und identifiziert ihn mit Jesus Christus:

„Im Anfang war der Logos … und der Logos wurde Fleisch.“ (Joh 1,1.14)


Damit wird Jesu Ursprung nicht zeitlich, sondern eher „kosmisch“ und vor aller Schöpfung verortet. Das „Wort“ steht für Christus, der von Anfang an existiert und an der Schöpfung beteiligt ist. Jesus erscheint hier nicht als später Gesandter, sondern als göttliches Prinzip selbst.

Weihnachten wird im Johannes-Evangelium als Menschwerdung beschrieben: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ Entscheidend ist nicht die Geburt, sondern dass Gott selbst Mensch wird.

Der Fokus liegt auf Jesus als Licht, das in die Welt kommt und die Finsternis überwindet. Weihnachten ist damit kein romantisches Ereignis, sondern ein theologischer Wendepunkt der Weltgeschichte.


Mir gibt diese Sichtweise sehr viel. Der Mensch ist die einzige Spezies, die so differenziert kommunizieren kann (das Wort) – und daraus erwächst eine Verantwortung für das was man sagt – weil man mit den eigenen Worten ja auch selbst jedes Mal einen neuen Anfang setzt. Und darin steckt aber auch eine riesige Chance, Dinge zum guten zu verändern.


Aus Worten werden Bilder
und aus Bildern wird Realiltät.
Am Anfang war also das Wort!

Du betrachtest gerade Am Anfang war das Wort!