Am 28.12.2024 hat Anke Prumbaum in der ARD das „Wort zum Sonntag“ gesprochen. Sie ist Krankenhausseelsorgerin in Moers (Link zur ARD).
Frau Prumbaum hat über die Zeit „zwischen den Jahren“ gesprochen. Sie hat zunächst aus dem 1 Buch. Mose zitiert, und zwar die Geschichte von Jakob, der vor seinem Bruder Esau flieht und in der Nacht vor der Begegnung am Fluss Jabbok verweilt. Jakob schickt seine Familie und seinen Besitz über den Fluss, bleibt aber selbst zurück, um noch mal nachzudenken über seine Vergangenheit und seine Zukunft. Er hat in dieser Nacht einen inneren Kampf und hadert mit sich – ringt mit jemandem (es bleibt unklar mit wem) – und geht dann aber doch über den Fluss.
Die entscheidenden Zeilen sind diese:
„Er stand auf in derselben Nacht, nahm seine beiden Frauen, die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog an die Furt des Jabbok. Er nahm sie und führte sie über den Fluss, sodass hinüberkam, was er hatte. Jakob aber blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach.“ (1. Buch Mose 32, 23-25)
Diese Passage will als ein Sinnbild für das Verweilen in einer Übergangszeit verstanden werden – zwischen alter und neuer Lebensphase – voller Zweifel und innerer Auseinandersetzung. Mir gefällt das Bild weil das jeder von uns kennt. Wenn die Dinge sich stark verändern, dann trauert man um die Vergangenheit – und man ist unsicher oder aufgeregt in Bezug auf die Zukunft.
Frau Prumbaum sagt, dass man ruhig hadern soll – wenn es sein muss auch mit Gott – aber dann darf man damit auch mal fertig werden. Und dann muss man „über den Fluss“ – und die Zukunft in Angriff nehmen.
Mir gefällt die Geschichte, weil ich selbst fast immer über die Feiertage „irgendwo zwischen den Jahren“ und auch „zwischen den Welten“ festhänge. Ich nutze die Zeit, um mich auf ein neues Jahr vorzubereiten – und um die eine oder andere Vergangenheit loszulassen.
